Presse

Rückschau Vortrag Mittelalterliche Wandmalerei

March 18, 2019

„Mittelalterliche Wandmalerei“

Gut besuchter Vortrag des Historischen Vereins Andernach

Im Rahmen des Jahresprogramms des Historischen Vereins Andernach, welches sich mit dem Bau, der Ausstattung und der religiösen sowie gesellschaftlichen Funktion mittelalterlicher Kirchen beschäftigt, fand der Vortrag von Frau Dr. Susanne Kern zu „Mittelalterlichen Wandmalereien, speziell in Andernach“ viele interessierte Zuhörer und-schauer. Im fast überfüllten Tagungsraum im Parkhotel „am Schänzchen“ entführte Frau Dr. Kern in die mittelalterliche Welt der Wandmalerei. Diese erlebte in romanischer Zeit durch die Christianisierung einen großen Aufschwung, da die großen Wandflächen im Inneren sich dazu anboten, den meist leseunkundigen Gläubigen die Geschichten der Heiligen, der Apostel, der Gottesmutter Maria und vor allem Szenen vom Leben und Sterben Christi darzustellen. Die irdischen Abbilder sollten die himmlischen Botschaften verkünden. Das gelang mit bildlichen Darstellungen eindrucksvoller als nur mit dem gesprochenen Wort. Waren die Figuren in der Romanik weniger naturalistisch als symbolhaft, mit starker Gebärdensprache und Attributen ausgestattet, entwickelte sich in der Gotik ein Stil, der der damaligen Tafelmalerei sehr nahe kam und sich ein starker Naturalismus, Stofflichkeit und Plastizität mit großer Liebe für Details finden lässt.

Die angewandte Technik bestand zunächst aus einer Vorzeichnung im noch feuchten Putz, der die Umrisslinien der Figuren und Gegenstände beinhaltete. Durch die Verbindung der Farbpigmente mit dem abbindenden Putz sollten sich diese Linien als sehr dauerhaft erweisen, während die Farbflächen mit unterschiedlichen Bindemitteln wie pflanzlichen Leimen, Kasein oder Tempera  auf die trockene Wand aufgebracht  deutlich empfindlicher waren.

Dies sollte sich als verhängnisvoll erweisen, als man sich im 19. Jahrhundert im Zuge des Historismus auf die Suche nach dem „Ursprünglich-Romanischen“ bzw. „Ursprünglich-Gotischen“ machte und in großem Stil den Putz in den alten Kirchen abschlug, um darunterliegende alte Wandmalerei freizulegen, die im Lauf der Jahrhunderte übertüncht und auch überputzt worden war. Die oberflächlich aufliegenden Farbpigmente der Flächen wurden so oftmals mit dem Putz abgeschlagen, nur die in „fresco“ ausgeführten Umrisslinien überstanden diesen Prozess zumeist unbeschadet. Bei anschließenden Restaurierungen interpretierten die ausführenden Maler die vorhandenen Reste allzu häufig in ihrem Sinne, so dass von der originalen Malerei vieles wieder unter einer dem Zeitgeschmack geschuldeten Fassung verschwand. Im 20. Jahrhundert in den vierziger bis sechziger Jahren bemühten sich die Restauratoren um eine Wiederherstellung der originalen Fassung, indem man versuchte die Übermalungen des 19. Jahrhunderts wieder zu entfernen, was nicht immer zu einer befriedigenden Lösung führte, weil hierdurch oft noch weniger vom Urbild übrig blieb, als vor der Restaurierung im 19. Jahrhundert noch vorhanden war. Das ist der Grund, warum sich von der mittelalterlichen Wandmalerei in Deutschland nur noch sehr wenig in gutem Zustand erhalten hat.

Heute stellt sich die Frage, wie man mit den „Überresten“ verfahren soll. Zumeist wird der noch vorhandene Zustand konserviert und auf einen weiteren Eingriff verzichtet. So bleibt dem heutigen Betrachter neben den „überarbeiteten“ Fassungen früherer Restauratoren leider nur ein schwacher Abglanz der einst so prächtigen, farbigen Wandmalereien.

Rückschau Exkursion Trier

October 20, 2017

Am Samstag, 21. Oktober, fand die für dieses Jahr letzte Exkursion des Historischen Vereins Andernach statt, Ziel war diesmal das Stadtmuseum in Trier.

In den mittelalterlichen Räumen des Simeonstifts eingerichtet, befindet sich das Museum direkt neben der Porta Nigra. Auf einer Gesamtfläche von ca. 1000 m² zeigt die Dauerausstellung Kunst- und Kulturschätze vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert, oftmals Schenkungen bedeutender Trierer Bürger. Entsprechend vielfältig zeigen sich die Sammlungen, bestehend aus Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerk, Möbel, Kleinplastik. Die Objekte werden hierbei durch Modelle, interaktive Bereiche, Hörstationen und Filmen ergänzt.  Sonderausstellungen, die sich Trierer Künstlern oder mit der Stadt verbundenen historischen und zeitgenössischen Themen widmen und regelmäßig wechseln, runden den interessanten Gesamteindruck ab.

Die Mitglieder konnten sich durch eine Führung davon in eindrucksvoller Weise ein Bild machen. Besonders augenfällig war in der Präsentation der Exponate der Einsatz von farbigen Hintergründen und Halterungen, bzw. Vitrinen, die in einzelnen Sälen in einem auffälligen Rot gehalten waren, in einem anderen Raum in einem kräftigen Gelb. Erstaunlicherweise empfindet der Betrachter diese Grundfarbe im Raum als belebend und verbindend und ganz und gar nicht als störend.

Die Ausstellungsräume sind thematisch gegliedert. In den „roten“ Räumen etwa der sagenhafte Gründer der Stadt, „Trebeta“, und die Stadtgeschichte von der Antike bis heute, im gelben Saal werden mittels Objekten und Medienstationen Themen wie Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Glaubensgemeinschaften, Sport und kulturelles Leben beleuchtet.

Interessant auch die Sonderausstellungen: Zunächst der 1985 verstorbene Trierer Künstler Peter Krisam, dessen Gemälde in der Vorkriegszeit, während der NS-Herrschaft und in der Nachkriegszeit stets dem Gegenständlichen verhaftet bleiben, dabei im Wesentlichen im expressiven Realismus anzusiedeln sind. Besonders beeindruckend und berührend seine Porträts, beschwingt seine Reiseimpressionen. Ein besonderes Zeitdokument sind die Zeichnungen kriegszerstörter Dörfer und Momentaufnahmen aus einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager.

Völlig anders die zweite Ausstellung, die Kleid-Modelle von Student/Innen der Fachrichtung Modedesign zeigt, welche 1995 anlässlich des EU-Japanfestes der Kulturhauptstadt Luxemburg entstanden sind. Als Grundlage für die Stoffe der Kleider wurde die alte traditionelle Färbetechnik des „Shibori“ eingesetzt. In unendlicher Kleinarbeit entstehen durch Batik und Nähnadel, Wringen und Falten äußerst kunstvolle Muster, die die Besucher staunen ließen. Die kreative Verarbeitung tat ihr Übriges.

Mit vielen Ideen und Eindrücken fuhren die Mitglieder des Historischen Vereins Andernach wieder nachhause. Diese zahlreichen Anregungen, die sich über den Besuch verschiedener Stadtmusen in erreichbarem Umfeld von Andernach über zwei Jahre in den Köpfen der Exkursionsteilnehmer angesammelt haben, sollen nun in der Jahreshauptversammlung nochmal besprochen werden und die Beeindruckendsten unter ihnen festgehalten werden, als Ideengrundlage für ein Andernacher Stadtmuseum, denn man soll die Hoffnung nicht aufgeben…

Rückschau Exkursion Köln

September 15, 2017

Unter dem Motto „Firmus blickt über den Tellerrand“ reisten die Mitglieder nach Köln ins Rautenstrauch-Jost-Museum sowie ins Römisch-Germanische-Museum neben dem Dom.

Das Rautenstrauch-Jost-Museum, welches im Jahr 2010 neu eröffnet wurde, stellt allein mit seiner modernen Architektur ( Architekturbüro Schneider + Sendelbach, Braunschweig) ein sehenswertes Ziel dar. Bestechend dann der neue, entstaubte Blick auf die ethnologische Sammlung, die sich vor allem aus dem Nachlass des Kölner Geografen und Völkerkundlers Wilhelm Jost (1852 – 1897) rekrutiert, welche 1899, zwei Jahre nach seinem Tod von seiner Schwester Adele Rautenstrauch und ihrem Ehemann Eugen der Stadt Köln vermacht wurde. Des Weiteren kam die Sammlung ozeanischer und afrikanischer Kunst des Düsseldorfer Künstlers Klaus Clausmeyer, die die Stadt Köln 1966 erwerben konnte und die Sammlung des Kölner Bankierssohns Max von Oppenheim dazu. Zuletzt trugen auch Irene und Peter Ludwig zu diesem großen Fundus bei, so dass das Museum eine der zehn größten und bedeutendsten ethnografischen Sammlungen Deutschlands vorweisen kann.

Wurden im alten Museum die Exponate in den Räumen nach geografischer Zusammengehörigkeit präsentiert, so ist das Museumskonzept jetzt im Neubau komplett überarbeitet worden und zeigt einen völlig neuen Ansatz: Unter Einbeziehung der europäischen Kultur soll durch den Vergleich der Kulturen unter verschiedenen thematischen Anordnungen das gleichberechtigte Dasein und die Ebenbürtigkeit aller Kulturen betont werden.(Beispiele: „Begegnung und Aneignung: Grenzüberschreitungen“, „Der verstellte Blick: Vorurteile“, Lebensräume – Lebensformen: Wohnen“, „Vielfalt des Glaubens: Religionen“)

Den Mitgliedern wurde dieser neue Ansatz in einer Führung sehr anschaulich vermittelt. Da noch ein zweites Museum auf dem Programm stand, musste man sich unter Bedauern nach eineinhalb Stunden leider wieder auf den Weg machen.

Zunächst zur Stärkung in ein Kölner Brauhaus. Nach einem guten Mittagessen und ein paar Kölsch traf die Gruppe im Römisch-Germanischen-Museum den wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Jan Krämer, der die Mitglieder des Historischen Vereins bei einem Rundgang durch die Sammlung über die Neukonzeption des Museums nach der anstehenden Schließung in 2018 informierte. Dr. Jan Krämer, der mit dem Umzug der Sammlung betraut ist, wusste anschaulich die vielschichtigen Probleme eines solchen Unterfangens zu schildern. Leider steht der Verwirklichung neuer Konzepte unter Berücksichtigung der neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen und technischen Möglichkeiten der stets leere Geldsäckel der Städte gegenüber. Die Andernacher wissen ein Lied davon zu singen. Auch dieses Mal waren sich die Mitglieder einig, dass dies ein schöner, informativer und unterhaltender Ausflug gewesen ist.

Rückschau Exkursion Bingen

May 12, 2017

Bei der jüngsten Exkursion des Historischen Vereins Andernach stand Hildegard von Bingen auf dem Programm. Schon die Hinfahrt im Nahverkehrszug durch die uralte Natur- und Kulturlandschaft des Rheintals konnten die Mitglieder des Historischen Vereins Andernach genießen. In Bingen angekommen wanderte die Gruppe am Rheinufer entlang zum Museum, welches sich neben Themen zur Stadtgeschichte Bingens von der Römerzeit übers Mittelalter bis zur Rheinromantik vor allem der Hildegard von Bingen widmet. Die Ausstellung im ehemaligen im Inneren entkernten Elektrizitätswerk der Stadt wurde den Besuchern durch eine anschauliche Führung vorgestellt und das Bild von Hildegard, der Heiligen, auf ein menschliches Maß heruntergebrochen, dies aber umso interessanter in all den Facetten, die zur Person Hildegard gehören: das intelligente Mädchen, Tochter des Edelfreien Hildebert und seiner Frau Mechthild, welches von den Eltern als Kind zur religiösen Erziehung der gerade mal acht Jahre älteren Jutta von Sponheim übergeben wird. Sie leben in einer Klause, die zum Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg gehörte. Nach dem Tod der Lehrerin Jutta von Sponheim wird Hildegard zur Magistra der versammelten Schülerinnen gewählt. Streit gibt es mit dem Abt des Benediktinerklosters, als sie das Kloster auf dem Disibodenberg verlassen will,  um ein eigenes Kloster zu gründen. Zu dieser Zeit besaß sie bereits eine gewisse Popularität und den geschäftlichen Blick für den richtigen Standort ihres neuen Klosters auf dem Rupertsberg am Zufluss der Nahe in den Rhein gelegen, also an einer wichtigen Wegkreuzung. Die Visionen, die Hildegard schon sehr früh begleiteten, werden von den damaligen geistlichen Würdenträgern anerkannt und Hildegard beginnt 1141 mit der Niederschrift. Wichtigstes Werk ist die „Scivias Domini“ („Wisse die Wege des Herrn“), welches 35 Miniaturen theologischen Inhalts enthält. Die Erlaubnis zur Veröffentlichung durch Papst Eugen III im Jahre 1147 stärkte auch ihre politische Bedeutung. Hildegard pflegte vielfache Korrespondenzen mit den Geistesgrößen ihrer Zeit, Sie wurde- erstaunlich für die damalige Zeit-81 Jahre alt und gehört zu den wenigen Frauen, die in dieser frühen Zeit so etwas wie eine Karriere gemacht haben, bzw. machen konnten. Hildegard war auch Komponistin und Dichterin und eine Universalgelehrte. Die römisch-katholische Kirche erklärte sie zur Heiligen und Kirchenlehrerin.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen blieb den Mitgliedern des Historischen Vereins am Nachmittag noch Zeit für einen kleinen Rundgang durch die Stadt Bingen, Besichtigung der Pfarrkirche St. Martin und Besuch der durch die Landesgartenschau 2008 hübsch gestalteten Rheinanlagen, bevor es mit dem Zug wieder Richtung Andernach ging. Die Gruppe bedankte sich herzlich bei Sylvia Schwitalla für die gute Vorbereitung der Exkursion.  

cher weckt.

Rückschau Exkursion Oberwesel

May 05, 2017

Am Samstag, 6. Mai,  besuchten die Mitglieder des Historischen Vereins Andernach die Stadt Oberwesel. Dr. Manfred Huiskes erklärte beim Spaziergang durch die Stadt zum Stadtmuseum die geschichtliche Entwicklung Oberwesels vom Frühmittelalter bis zur Neuzeit mit ihren diversen Erweiterungen und Veränderungen der Straßen und Mauern, was auch beim Ausblick von der rheinseitigen Mauer anschaulich erfahrbar war. Vergleichbarkeiten mit Andernach wurden deutlich, so der Runde Turm in der Stadtbefestigung, der zum Vorbild des Andernacher Turmes wurde, die mittelalterliche Stadtmauer und eine hochwasserfreie Durchgangsstraße, ähnlich der Hochstraße in Andernach.

Hauptziel der Exkursion war das Stadtmuseum „Kulturhaus Oberwesel“, das seine Entstehung einer privaten Kulturstiftung (Margot und Anton Heinrich Hütte) verdankt. Durch die Restaurierung eines alten, denkmalgeschützten Weingutes, erweitert durch einen modernen Anbau, entstanden Museumsräume mit viel Flair, in denen auf vier Etagen Geschichte und Leben am Rhein interessant und spannend dargestellt wird. Die Exponate aus der Vorzeit, des Mittelalters und der Rheinromantik werden durch Multimediaelemente ergänzt, die den Besucher in die jeweilige Zeit eintauchen lassen. Auch das harte Leben der Fischer am Strom sowie die spezielle Geschichte des Hauses werden so lebendig. Der Stifter, Herr Anton Heinrich Hütte persönlich, führte die Mitglieder des Historischen Vereins durch die Räumlichkeiten und erläuterte die Entstehung des Museums von der Idee über die Planungsphase bis zur letztendlichen Realisierung interessant und kurzweilig.

Ein weiteres Highlight war die Besichtigung des ehemaligen Franziskaner/Minoriten-Klosters in unmittelbarer Nähe zum Museum. Auch hier half die Kulturstiftung Hütte durch Ankauf und Restaurierung des Terrains und der Gebäudereste des Klosters, dies vor dem völligen Verfall zu bewahren und seine Geschichte unter anderem auch mittels Multimediaeinsatzes anschaulich zu vermitteln. Mit zahlreichen Anregungen für das Andernacher Stadtmuseum im Gepäck wurden sich die Mitglieder des Historischen Vereins bewusst, wie sehr eine Stiftung die Neukonzeption des Museums in Andernach vorantreiben könnte.

Am Nachmittag besuchten die Mitglieder des Historischen Vereins die imposante gotische Liebfrauenkirche (Anfang gegen Ende des 12.Jh. /heutiges Erscheinungsbild erste Hälfte 14. Jahrhundert) ursprünglich außerhalb der Stadtmauern unterhalb der Schönburg gelegen.  Zeichnet sich die dreischiffige Basilika außen durch ihre Schlankheit und Steilheit aus – der Westturm misst über 70 Meter, so überrascht im Inneren die reichhaltige erhaltene Ausstattung. Nicht nur ein filigraner Lettner, sondern auch eines der ältesten erhaltenen Chorgestühle beeindrucken, daneben der Goldaltar aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, dessen Altarfiguren nach einem Diebstahl 1975 inzwischen wieder zurückgekehrt sind. Viele erhaltene Wandbilder, Epitaphe und Nebenaltäre machen die Kirche zu einem regelrechten „Schatzkästlein“. Dr. Manfred Huikes wusste den Rundgang mit seinem Fachwissen anschaulich zu begleiten, bevor die Gruppe den Heimweg antrat.

Worum geht es in diesem Listenelement? Was ist das Besondere daran? Fügen Sie eine Beschreibung hinzu, die das Interesse Ihrer Besucher weckt.

Rückschau Exkursion Weißenthurm

March 24, 2017

Geschichte wir erst lebendig in Geschichten und Anekdoten. Das erlebten die Mitglieder des Historischen Vereins Andernach einmal mehr dank ihres sachkundigen Führers Hermann Doetsch. In  einem Rundgang besuchten sie in Weißenthurm den Weißen Turm, das Hoche-Monument und die Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit. Zur engen Beziehung der „alten“ Stadt Andernach und der „jungen“ Stadt Weißenthurm – seit 1866 – wusste Hermann Doetsch ebenso viel, anschaulich und kurzweilig zu erzählen wie zu den bemerkenswerten Bauwerken.

Der Weiße Turm, erbaut um 1400, war Befestigung und Zollstelle an der Grenze von Kurtrier und Kurköln. Andernach reichte bis an diesen Turm, auf der anderen Seite lagen die Ortschaften Kettig und Kärlich. Heute enthält das fünfgeschossige Gebäude ein Heimatmuseum. Es zeigt Exponate zur  allgemeinen Geschichte und zur Entwicklung der Wirtschaft in Weißenthurm. Dazu gehören z.B. ein Modell von Caesars Rheinbrücke, Abbildungen der Orte Kettig, Kärlich, Neuwied und Andernach. Die drei „B’s“, nämlich Bier, Bims und Blech, durch die Weißenthurm im 19. und 20. Jahrhundert geprägt wurde, finden sich in unterschiedlichsten Ausstellungsstücken wieder. Von den drei „B’s“ blieb im 21. Jahrhundert nur noch die Blechindustrie übrig. Geblieben ist auch der Karneval, dem ein eigenes Geschoss gewidmet ist. Die Andernacher nahmen mit Wohlgefallen zur Kenntnis, das Weißenthurm noch zur „Alaaf“- und nicht zur „Helau-Zone“ gehört. Vom obersten Stockwerk des Turmes geht der Blick über das Rheintal und das Neuwieder Becken.

Einen ähnlichen Ausblick hatte der französische General Lazare Hoche 1797. Von seinem Feldherrnhügel in Weißenthurm beobachtete er die Schlacht von Neuwied, in der seine französischen Truppen die Österreicher besiegten. Noch im selben Jahr starb Lazare Hoche mit 30 Jahren. Die sterblichen Überreste dieses jungen, charismatischen Heerführers liegen seit 1919 in der Totengruft unter dem Monument, das die Soldaten seiner Sambre-und-Maas-Armee erbauen ließen: sie verehrten ihren General so, wie heute Fans ihre Popstars bewundern. Totengruft, Denkmal und Parkanlage beeindrucken noch heute die Besucher von Weißenthurm.

Neben Weißem Turm und Hoche-Denkmal beherrscht vor allem die weiße Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit das Stadtbild. Sie wurde 1837/38 nach Plänen von Johann Claudius von Lassaulx erbaut und 1900 bis 1902 nach Plänen von Caspar Clemens Pickel erweitert und mit dem markanten Turm versehen. Im Inneren des bemerkenswerten Bauwerkes finden sich unter anderem auch Fresken von Georg Kau aus den Jahren 1904 bis 1907, eines Künstlers, der Ende der 1920er Jahre auch die Marienfresken in der Chorapsis des Andernacher „Mariendomes“ schuf. Am Grabstein der Familie Lassaulx in der Pfarrkirche verabschiedeten sich die Exkursionsteilnehmer mit herzlichem Applaus von ihrem Führer Hermann Doetsch und bedankten sich für einen gelungenen Nachmittag in Weißenthurm.

Weißenturm (März 2017)

March 17, 2017

Die erste Exkursion des Jahres aber führt am Samstag, den 18. März in den Nachbarort Weißenthurm, der lange Zeit durch die Herstellung von Bimssteinen, Brauereien und Blechverarbeitung geprägt war. Auf dem Besichtigungsprogramm steht der Weiße Turm, ein markanter Zoll- und Grenzturm aus den Jahren 1410/15. Hier verlief die Grenze zwischen Kurtrier und Kurköln. Der Turm beherbergt ein kleines Museum. Außerdem wird die katholische Pfarrkirche „Heilige Dreifaltigkeit“ besichtigt, die nach Plänen des Koblenzer Architekten Johann Claudius von Lassaulx 1837/38 erbaut und zu Beginn des 20. Jahrhunderts umgebaut und erweitert wurde. Auch das Monument General Hoche, Denkmal und letzte Ruhestätte für General Lazare Hoche wird besucht, der im April 1797 vom Weißenthurmer Frauenberg aus den Übergang französischer Revolutionstruppen leitete und kurze Zeit später verstarb. Es führt Herr Hermann Doetsch, ehemaliger Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Weißenthurm und ein Kenner der Weißenthurmer Geschichte. Treffpunkt um 14.00 Uhr in Weißenthurm ist der Weiße Turm. (Anreise mit PKW, Parkmöglichkeiten bestehen vor der evangelischen Kirche; Kirchstraße Parkplatz hinter der Kirche bzw. vor der Schule oder am Rhein/Zufahrt über Becherstraße).

Exkursion ins LVR-LandesMuseum Bonn

„Eva`s Beauty Case“- was sich anhört wie eine neue Kosmetikwerbung entpuppte sich bei der jüngsten Exkursion des Historischen Vereins Andernach im Bonner Landesmuseum am 9. Juli als Titel einer Ausstellung, die Schmuck und Styling im Spiegel der Zeiten unter die Lupe nimmt und einen Einblick in ein Thema ermöglicht, was uns nur allzu bekannt ist und sich jeden Tag in unseren Badezimmern wiederholt. Der Wunsch schön zu sein ist so alt wie die Menschheit.

Für Schmuck, Makeup und Parfüm braucht es ein Behältnis. Dies kann  in der Steinzeit aus natürlichen Materialien bestehen: eine Tasche aus Rehleder mit Tierdarm genäht, natürlich mit schmückenden Applikationen versehen, hier Hirschgrandeln und ein Braunbär-Eckzahn. Im alten Ägypten, in der Antike über Mittelalter und Neuzeit kommen Holz, Ton und Metall als Materialien dazu, immer in der Mode der jeweiligen Zeit durchgestylt, indes die Funktion bleibt gleich. Oft ist das „Beauty Case“ auch verschließbar, enthält es doch oft auch teuren Schmuck. Hier hatten die „Juveliere“  der verschiedenen Epochen überaus kreative Ketten, Ohrringe, Ringe und Fibeln anzubieten. Bedienten sich die „Designer“ der Steinzeit noch aus dem Naturladen, indem sie Tierzähne, Geweih, Bernstein, Muscheln und Schnecken verwendeten, fand ab der Bronzezeit auch Metall Verwendung. Kostbarstes Metall ist das Gold. Die Verarbeitung ringt dem Betrachter immer wieder bewundernde Blicke und Erstaunen ab, so filigran und kunstvoll konnten die Menschen schon vor über dreitausend Jahre mit diesen Materialien umgehen und so manches Schmuckstück würde heute mühelos Designerpreise gewinnen und weckt nicht nur bei den weiblichen Besuchern Begehrlichkeiten…

Ein besonderes Augenmerk beim Styling kommt der Haartracht zu. Was an Behaarung dem Menschen im Verlauf der Evolution  verblieb, wird gepflegt, sei es, dass man Körperhaare entfernt, eine Prozedur, die schon viele antike Kulturen kannten – auch die Kelten taten dies – oder sich ausgiebig um das Haupthaar bemüht. Verband man lange Zeit mit der Haarpracht des Mannes Stärke und Potenz wie bei Samson (und Delilah) – im Mittelalter schor man besiegte Kaiser kahl und steckte sie in ein Kloster- so blieb davon bis heute der Wunsch frisch frisiert dem Modelook zu entsprechen. Pech für alle Herren, die mit Teilglatze leben müssen. In der Barockzeit hatte „Mann“  immerhin die Möglichkeit, sich mit fremden Federn zu schmücken und eine Allongeperücke zu tragen, die zwecks Entfernung von damals üblichen Plagegeistern wie Flöhen und Läusen nachts in einen Vogelkäfig gehängt wurde, um auf biologische Art und Weise gereinigt zu werden.

Ob man jemanden gut riechen kann, entscheidet tatsächlich oft die Nase. Das wußten auch schon Ägypter und Römer, davon zeugt die große Menge von Flakons und Salbenbehältnissen aus dieser Zeit. Der Bedarf an Parfüm ist zu allen Zeiten groß, genauso wie der Preis. Es war schon immer teuer, edle Duftstoffe zu erwerben und oft schielte man bei der Auswahl des Parfüms für den eigenen Gebrauch auf das von Prominenten. Denn wer was auf sich hielt, ließ sich ein nur für sich selbst komponiertes Parfüm zusammenstellen. Napoleon Bonaparte, ein großer Liebhaber von Düften, ließ sich für die Krönungszeremonie ein Parfüm für sich und seine Gattin Josephine anmischen, welches beide an diesem besonderen Tag auflegten. Wer wissen möchte, welches Parfüm eine kubanische Parfümerie (seit dem 18. Jh.) für Marilyn Monroe, Marlene Dietrich und Indira Gandhi kreierte, sollte  sich die Ausstellung in Bonn nicht entgehen lassen. Ein besonderes Vergnügen und Erlebnis ist es – darin sind sich die Mitglieder des Historischen Vereins Andernach einig -  wenn man das Glück hat, von der „Hausherrin“ persönlich, der Museumsleiterin Frau Dr. Uelsberg durch die Ausstellung geführt zu werden.

Exkursion zum ARP-Museum in Rolandseck

Im Rahmen des Jahresthemas „Firmus blickt über den Tellerrrand“ besuchten Mitglieder und Gäste des Historischen Vereins  unter der Leitung von Frau Dr. Sylvia  Schwitalla das Arp - Museum in Rolandseck.

Dieses Museum des Landes Rheinland – Pfalz nahm seinen Ausgang vom Künstlerbahnhof.

2007 wurde er durch den attraktiven Neubau des amerikanischen Architekten Richard Meier erweitert zum Arp – Museum. Das Bauwerk bietet vielfache, verblüffende Ausblicke in die rheinische  Landschaft und die Natur. Durchblicke durch Säulengalerien, Treppenhäuser und den  Tunnel unter den Bahngleisen faszinieren die Besucher.

Unter der kundigen Führung von Frau Götz verschafften sich die Exkursionsteilnehmer einen Überblick über die drei aktuellen Ausstellungen:

- Menschenskinder – Kinderleben (Sammlung Rau)

- Genese Dada – 100 Jahre Dada Zürich

- Barbara Hepworth – sculpture for a modern world.

 

In der Präsentation zum Thema „Menschenskinder“ werden Werke der bildenden Kunst vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart kontrastiv den Fotos von Kindern aus Krisengebieten der Welt von heute entgegengestellt.

Die große „ Dada – Ausstellung“ macht vor allem durch die Nachbauten des „ Cabaret Voltaire“ und der „Galerie Dada“ aus Zürich mit den entsprechenden Exponaten die Atmosphäre von vor einhundert Jahren deutlich. 1916  entstand die Dada – Bewegung und beeinflusst seitdem die Kunst bis heute. Die Kabarett – Stimmung wurde noch deutlicher, als Dr. Heribert Thelen auf dem Klavier das „Gaudeamus igitur“ mit fulminantem Schlussakkord intonierte, auch ohne Maske oder Bischofsverkleidung wie die Dada – Künstler.

In verdunkelten Räumen, also ohne Ausblicke und den Einfall schädlichen Tageslichts, werden die meist abstrakten Skulpturen der englischen Künstlerin Barbara Hepworth (1903 – 1971) gezeigt, die auch auf ihre Nähe zu Sophie Taeuber – Arp und Hans Arp deuten.

In einem zweiten Teil gab Frau Dr. A. Krapp, Leiterin der Abteilung Kunstvermittlung, den Gästen aus Andernach Einblick in die zusätzlichen Angebote des Museums.   Mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Themen und Darbietungsformen werden die unterschiedlichsten Interessengruppen umworben ( Erwachsene, Jugendliche, Kinder).  Ergänzt wird das Angebot der Wechselausstellungen in der bildenden Kunst durch Musik – und Literaturveranstaltungen  im Foyer des Hauses. Es wurde deutlich, was in einem modernen Museum neben den Kernaufgaben und der Öffentlichkeitsarbeit alles geleistet werden muss und welches Personal (Kosten) erforderlich ist, um eine möglichst große Besucherzahl zu erreichen und dann die Publikumswünsche zu erfüllen.

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